Stimmungsindikatoren: Meinungen machen Kurse
Stimmungsindikatoren sind aus der modernen Börsenwelt nicht mehr wegzudenken: Der Versuch, an der mentalen Haltung der Marktteilnehmer die künftige Entwicklung der Kurse abzulesen, hat sich längst etabliert. Selbst auf der akademischen Ebene hat die Beobachtung der Stimmung auf dem Parkett Einzug gehalten: „Behavioral Finance“ nennt sich die Disziplin, die versucht, das Zustandekommen von Marktergebnissen durch die Psychologie des Menschen zu erklären und daraus auch prognostische Elemente abzuleiten.
Stimmungsindikatoren existieren mittlerweile in großer Zahl. In Deutschland hat sich der Sentiment-Index etabliert, der einmal in der Woche knapp eintausend private wie institutionelle Anleger nach ihren Erwartungen im Hinblick auf die künftige Entwicklung der Preise an den Aktien-, Renten- und Rohstoffmärkten befragt. Aus dem Ergebnis -nicht nur des Sentiment-Index – lassen sich unterschiedliche, sehr nützliche Schlussfolgerungen ziehen. Ist die Masse der Anleger sehr optimistisch, deutet dies auf eine Übertreibung hin, die der Markt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit korrigierten wird. Umgekehrt indiziert eine sehr pessimistische Haltung der Investoren, dass der potenzielle Verkaufsdruck gering ist und deshalb steigende Notierungen wahrscheinlich sind. Aus Umfragen unter den Akteuren des Marktes lassen sich jedoch noch weit mehr Rückschlüsse ziehen, als die bereits seit Altmeister Kostolany bekannten Weisheiten über Gier und Angst als Triebkräfte der Aktienkurse. Insbesondere in Kombination mit anderen, technischen Indikatoren können Anleger das Sentiment zu einer sehr effektiven Werkzeug machen, dass nicht nur die Trefferquote eines mittelfristig ausgerichteten Handelssystems verbessert, sondern darüber hinaus auch dazu geeignet ist, strategische Entscheidungen zu unterstützen. An dieser Stelle ist es keinesfalls möglich, alle Optionen, die mit Sentiment-Indikatoren offenstehen, im Detail zu betrachten, da dies jeglichen Rahmen sprengen würde. Einige Möglichkeiten des Einsatzes sollen jedoch kurz erläutert werden, um eine Eindruck davon zu geben, wie die Marktpsychologie zur Verbesserung der Handelsergebnisse beitragen kann.
Die einfachste und anschaulichste Anwendung findet sich bei der Kombination mit Oszillatoren, die Überdehnungen des Marktes nach oben oder nach unten indizieren. In Verbindung mit der Marktstimmung lässt sich die Trefferquote, die solche Instrumente liefern, deutlich verbessern. Zeigt ein Oszillator an, dass der Markt überkauft an, kann der Sentiment-Indikator sowohl als bestätigendes Indiz wie auch als Korrektiv dienen: Ein stärkerer Aufwärtsimpuls, der eine Korrektur erforderlich erscheinen lässt, kann in Verbindung mit einem zu raschen Anstieg des Optimismus im Lager der Bullen zu einer kurzfristigen Shortposition genutzt werden.
Auch im Anschluss an einen stärkeren Rückgang der Kurse kann ein Blick auf die Stimmung der Marktteilnehmer bares Geld wert sein. Sehen zu viele Akteure den Rücksetzer als Einstiegsgelegenheit, deutet dies auf weiteres Abwärtspotenzial hin. Ist hingegen nach dem Kursrückgang die Stimmung schlecht, sind Kurssteigerungen wahrscheinlich.
Sentiment-Indikatoren sollten immer in einem größeren Kontext und nicht nur bezogen auf den Aktienmarkt betrachtet werden. Auch die Erwartung der Marktteilnehmer im Hinblick auf die Preisentwicklungen in den anderen Assetklassen ist für eine plausible Analyse hilfreich und kann wertvolle Hinweise auf mögliche zukünftige Entwicklungen liefern. Der deutsche Sentiment-Index übrigens steht jedermann offen: Wer an der Umfrage teilnehmen möchte, kann dies über das Internet kostenfrei tun und auch die Ergebnisse entgeltfrei einsehen. Wer regelmäßig seine Meinung kundtut, hat dauerhaft Zugriff auf die Daten, die im Rahmen der Erhebung ausgewertet und interpretiert werden.
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